Einmal im Jahr heißt es für unsere Mountainbike-Truppe: Alltag aus, Helm auf und raus in die Natur. Dieses Mal führte uns unser Jahresausflug ins Fichtelgebirge – genauer gesagt ins Bullhead-House nach Fleckl, direkt am Fuße des Ochsenkopfs. Ein kleines, idyllisches Örtchen, in dem gefühlt mehr Kühe, Rehe und Hasen unterwegs sind als Einwohner. Genau der richtige Ort für ein verlängertes Wochenende auf dem Bike. Nach entspannten viereinhalb Stunden Anreise erreichten wir am Donnerstagabend unser Quartier. Zur Einstimmung wartete bereits eine ordentliche Portion Spaghetti Bolognese – schließlich braucht ein Mountainbiker Kohlenhydrate wie andere Menschen Sauerstoff. Anschließend ging es früh ins Bett. Noch ahnte niemand, dass uns in den nächsten drei Tagen Wurzeln, Felsen und jede Menge Höhenmeter gehörig den Puls nach oben treiben würden.
Tag 1 – Willkommen im Wurzel-Waschgang
Nach einem ausgiebigen Frühstück und strahlendem Sonnenschein begrüßte uns unser Guide Peter – Mountainbiker durch und durch. Schon nach wenigen Minuten war klar: Der Mann kennt hier jeden Stein persönlich. Als er beiläufig erwähnte, dass ursprünglich 60 Kilometer und 1.700 Höhenmeter geplant seien, wurde es in der Gruppe verdächtig still. Einige überprüften sicherheitshalber noch einmal ihre Bremsen, andere ihre Lebensversicherung. Nach kurzer Diskussion wurde die Runde etwas entschärft. Kaum losgefahren, wartete bereits der erste Wurzeltrail. Wer noch nie einen Wurzeltrail gefahren ist, dem sei gesagt: Man wird dabei komplett durchgeschüttelt. Von den Handgelenken über die Haarspitzen – sofern noch vorhanden – bis in den kleinen Zeh. Danach weiß jeder Muskel im Körper, dass er existiert. Über den legendären Boxgrabenweg führte uns die Tour durch traumhafte Wälder, vorbei an glasklaren Seen und über flowige Trails, die einfach nur Spaß machten. Zwischendurch gab es natürlich auch etwas Bildung. Kleiner Klugscheißer des Tages: Der Main entsteht aus zwei Quellflüssen – dem Roten Main und dem Weißen Main. Anschließend ging es Schlag auf Schlag: Weißmainquelle, Weißmainfelsen, Fichtelsee, Haberstein und schließlich hinauf auf den Schneeberg – mit 1.053 Metern der höchste Gipfel des Fichtelgebirges. Die Aussicht? Grandios. Der Weg dorthin? Schweißtreibend. Die Gesichter? Eine Mischung aus Stolz und Sauerstoffmangel. Zum Glück wusste Peter an jedem Aussichtspunkt Spannendes zu erzählen. So konnten wir zwischendurch wenigstens so tun, als würden wir nur wegen der Landschaft stehen bleiben. Danach begann das, worauf alle gewartet hatten: endlose Trails. Mal flowig, mal technisch, mal steinig, mal voller Wurzeln – aber immer mit einem breiten Grinsen unter dem Helm. Am Weißenstädter See wurde schließlich Kraft getankt. Debreziner oder Saitenwürste im Wecken, kühle Getränke und jede Menge Fachgespräche über Reifenluftdruck, Federweg und natürlich darüber, wer heute angeblich noch gar nicht außer Atem war. Der Große Waldstein bescherte uns erneut fantastische Ausblicke, bevor der wohl anspruchsvollste Abschnitt des Tages wartete: ein S3-Trail mit allem, was Mountainbiker lieben – oder auch verfluchen. Große Felsen, dicke Wurzeln und Linien, die eher theoretischer Natur waren. Nach weiteren Kilometern über die Egerquelle, den Quellenweg, Bischofsgrün und den Unteren Ringweg wartete schließlich der letzte S1-Trail direkt zurück zum Hotel. 55 Kilometer. 1.220 Höhenmeter. Unzählige Wurzeln. Null Stürze. Dafür blaue Füße von Blaubeeren und zahlreiche Kampfspuren von Brombeerhecken. Das erste Kaltgetränk schmeckte ungefähr so gut wie ein Sechser im Lotto.
Tag 2 – Wenn der Berg auch mal zurückschlägt
Der zweite Tag begann genauso vielversprechend wie der erste: Sonnenschein, reichhaltiges Frühstück und unser Guide Ralf, ebenfalls ein absoluter Könner auf dem Bike. Bereits die ersten Kilometer über den Unteren Ringweg machten klar, dass heute fahrtechnisch noch eine Schippe draufgelegt wurde. Der Moosbachsteig, der Jägersteig und unzählige weitere Trails boten alles, was das Mountainbiker-Herz höherschlagen lässt: enge Spitzkehren, steile Hänge, Wurzelteppiche, Felsstufen und ständig wechselnde Untergründe. Kurz gesagt: Genau deshalb waren wir hier. Leider zeigte der Berg an diesem Tag auch seine andere Seite. Eine kleine Unachtsamkeit reichte aus, und einer unserer Mitfahrer verließ unfreiwillig den Trail. Zum Glück stoppte ihn nach wenigen Metern ein Baum – leider jedoch mit einem gebrochenen Schienbein. An dieser Stelle nochmals die allerbesten Wünsche für eine schnelle Genesung. Nachdem unser Kamerad versorgt und ins Krankenhaus gebracht worden war, brauchten wir alle erst einmal einen Moment, um den Schreck zu verdauen. Doch Mountainbiker wären keine Mountainbiker, wenn sie sich davon komplett unterkriegen ließen. Also wurden Räder repariert, Bremshebel gerichtet, Helme kontrolliert und anschließend eine verkürzte Tour gestartet. Über Fichtelberg ging es zum Fichtelsee und schließlich zur verdienten Mittagspause. Dort wartete ein Schnitzel, das sämtliche Dimensionen sprengte. Oder wie man bei uns sagt: „Schnitzel wie Klodeckel? Des isch no gar nix – des hot mr senkrecht durch d’Küchetür trage müsse!“ Mit vollem Magen kämpften wir uns anschließend hinauf auf den Ochsenkopf. Oben angekommen waren die Strapazen sofort vergessen. Traumhafte Fernsicht. Frische Bergluft. Und das gute Gefühl, wieder einmal den inneren Schweinehund besiegt zu haben. Die folgende Abfahrt über einen langen S2-Trail verlangte nochmals höchste Konzentration. Große Felsen, lose Steine und enge Passagen ließen keinen Platz für Fehler. Zurück im Hotel schmeckten Kaltgetränke und Abendessen mindestens genauso gut wie am Vortag. Und das will etwas heißen.
Tag 3 – Zum Abschluss noch einmal Vollgas
Da am Nachmittag die Heimreise anstand, fiel die letzte Tour etwas kürzer aus. Doch „kürzer“ bedeutet im Fichtelgebirge keineswegs „langweilig“. Unser Guide Thomas Z. hatte eine perfekte Abschlusstour zusammengestellt. Er kannte hier wirklich jeden Trail, jede Abkürzung und vermutlich sogar jede Wurzel mit Vornamen. Natürlich durfte der mittlerweile legendäre Boxgrabenweg nicht fehlen. Inzwischen hätte wahrscheinlich jeder von uns diesen Trail auch mit verbundenen Augen erkannt. Über den Mühlberg führte uns die Strecke zu beeindruckenden Felsformationen und anschließend hinauf zum Seehaus. Leider hatte das Restaurant geschlossen. Also blieb uns nichts anderes übrig, als den Seehaussteig unter die Stollen zu nehmen. Was für andere eine Abfahrt ist, ist für Mountainbiker pures Grinsen. Nach einer letzten Kaffeepause am Fichtelsee ging es noch einmal hinauf zum Weißmainfelsen. Die Aussicht war jeden Schweißtropfen wert. Zum krönenden Abschluss wartete ein herrlich flowiger Trail mit kleinen Sprüngen, Wellen und schnellen Kurven zurück zum Hotel. Besser kann ein Mountainbike-Wochenende kaum enden.
Fazit
- Drei Tage
- 124 Kilometer
- Über 2.700 Höhenmeter
- Unzählige Trails
- Jede Menge Wurzeln
- Kiloweise Blaubeeren
- Ein gebrochener Bremshebel
- Ein verletzter Kamerad
- Unzählige Lacher
- Und Erinnerungen, die garantiert noch lange nachwirken
Ein riesiges Dankeschön geht an Mike H. aus E., der den gesamten Ausflug perfekt organisiert hat – sogar das Wetter schien mit ihm abgesprochen gewesen zu sein. Kaum zu Hause angekommen, wurden die Bikes gereinigt, verladen und schon wieder für die nächste Dienstagstour vorbereitet. Denn nach der Tour ist bekanntlich vor der Tour. Und jetzt bleibt nur noch eine Frage offen: Wohin verschlägt es die MTB-Truppe 2027?













